Was ist Amazon Marketing Cloud?
AMC ist eine Cloud-basierte Analyse-Umgebung, in der du Cross-Channel-Daten aus deinem Amazon-Werbe-Ökosystem zusammenführst und mit SQL abfragst. Du siehst keine Rohdaten und keine einzelnen Kundenprofile, sondern nur aggregierte Ergebnisse ab einer Mindest-Kohortengröße. Damit erfüllt AMC Datenschutz-Anforderungen und liefert trotzdem Insights, die in Seller Central oder im DSP-Frontend nicht sichtbar sind.
Wer hat Zugang zu AMC?
Bis 2025 war AMC an einen Amazon DSP Account oder einen zertifizierten API-Partner gebunden und damit faktisch großen Budgets vorbehalten. Das hat sich geändert. Seit dem 18. September 2025 ist AMC für jedes Sponsored-Ads-Konto kostenlos nutzbar, ohne DSP-Vertrag und ohne Mindestbudget. Du aktivierst deine AMC-Instanz per Self-Service direkt in der Amazon Ads Console.
Amazon baut die Gratis-Schiene sogar weiter aus. Bis Ende 2026 sind auch zuvor kostenpflichtige Signale frei nutzbar, und das Rückblick-Fenster reicht inzwischen bis zu 24 Monate zurück. Das Werkzeug, das früher Enterprise-Marken vorbehalten war, liegt jetzt auf jedem 5k-Konto bereit. Ausgewertet wird es trotzdem kaum, und genau darin liegt der Vorsprung für alle, die früh damit arbeiten.
Was AMC für dein Geschäft beantwortet
Den Nutzen von AMC kann man ohne ein einziges Fachwort erklären. Es sind die Fragen, die dein normaler Werbebericht offen lässt:
- Zahlst du für denselben Käufer zweimal? AMC zeigt, wie stark sich deine Kampagnen überschneiden, also wie oft du dieselbe Person über mehrere Anzeigen erneut bezahlst.
- Welche Anzeige bringt echte Neukunden? Und welche spricht nur bestehende Käufer erneut teuer an. Im Standardbericht sehen beide gleich gut aus.
- Ab welcher Häufigkeit verpufft dein Budget? Ab einer bestimmten Zahl an Einblendungen pro Person steigt die Conversion nicht mehr. Alles darüber ist Streuverlust.
- Welcher Klick war wirklich der erste Kontakt? Bevor du einen Suchbegriff als Kostenfresser pausierst, zeigt AMC, ob er in Wahrheit der Einstieg vieler späterer Käufe war.
Was in der Praxis dabei herauskommt
Öffentlich dokumentierte Fälle zeigen, wie groß der Hebel sein kann. Eine Marke steigerte ihren ROAS mit AMC-basierten Zielgruppen um 158 Prozent, eine Forrester-Studie zu Amazons Ad-Tech nennt 30 bis 50 Prozent mehr ROAS über die eingesetzten Audiences hinweg.
Dazu die ehrliche Einordnung. Das sind Fälle mit deutlich größeren Budgets als bei den meisten Konten, die ich betreue, und ich verspreche dir diese Zahlen nicht. Was sie belegen, ist die Methodik. Audience-Overlap, echte Erstkontakt-Attribution und Frequenz-Steuerung wirken nachweisbar, und die Größenordnung skaliert mit Budget und Datenmenge.
Datenquellen und typische Use Cases
Datenquellen in AMC:
- Sponsored Products, Sponsored Brands, Sponsored Display (Klicks, Impressions, Conversions auf Event-Ebene)
- Amazon DSP (alle Impressions, Klicks, View-Through-Daten)
- Amazon Shopping Insights (Detail-Page-Views, Käufe, ASIN-Bewegungen)
- Eigene First-Party-Daten via Upload
Typische Use Cases:
- Customer Journey: Welche Touchpoints hatte ein Käufer in den 30 Tagen vor Kauf? Wie oft DSP-Impression, wie oft Sponsored-Brands-Klick?
- Audience Overlap: Wie groß ist die Schnittmenge zwischen Sponsored-Brands-Klickern und DSP-Retargeting-Audience?
- Frequency Caps: Ab welcher Impressions-Frequenz pro User flacht der Uplift ab?
- Attribution-Modelle: First-Touch vs. Last-Touch vs. Multi-Touch im Vergleich
- New-to-Brand-Analysen: Welcher Kanal liefert die meisten Erstkäufer?
Das klassische AMC-Beispiel
Sponsored Brands meldet ROAS 4, DSP meldet ROAS 1,5. In AMC siehst du, dass 40 Prozent der Sponsored-Brands-Käufer vorher mindestens eine DSP-Impression hatten. Ohne DSP wären die Sponsored-Brands-Sales niedriger. Der Last-Click-ROAS von DSP lügt.
Optimierungs-Hebel
1. Mit Standard-Templates starten. Amazon liefert vorgefertigte Queries für Customer Journey, Path-to-Conversion, New-to-Brand. Damit kommst du in 1 bis 2 Tagen zu ersten Ergebnissen, ohne SQL schreiben zu müssen.
2. Custom Queries für eigene Fragen. Sobald die Templates an Grenzen stoßen, lohnt SQL. Typische Custom-Queries: Conquesting-Analyse gegen einen bestimmten Wettbewerber-Brand, Bundle-Cross-Sell zwischen zwei ASINs.
3. Audience-Overlap messen. Sponsored Brands und DSP haben oft 30 bis 60 Prozent Audience-Overlap. Wenn du das weißt, kannst du Budgets und Frequency Caps abstimmen.
4. AMC-Audiences zurück in DSP spielen. Aus AMC-Analysen kannst du Audience-Segmente bauen und diese in DSP als Retargeting-Audience aktivieren.
Häufige Fehler
AMC ohne klare Frage einsetzen. Wer "mal schauen, was AMC kann" macht, verbrennt Wochen. Erst Frage formulieren, dann Query bauen.
Insights ohne Action lassen. AMC-Reports, die nirgendwo zu einem Budget-Shift oder Audience-Änderung führen, sind verschwendetes Budget.
SQL-Kenntnisse unterschätzen. Auch wenn AMC SQL-light ist, brauchst du ein Grundverständnis von Joins und Subqueries. Ohne SQL bist du auf Templates beschränkt.
Verwandte Begriffe
- Amazon DSP: die programmatische Plattform, deren Daten in AMC zusammenfließen
- Sponsored Display: ein weiterer Datenlieferant in AMC
- TACOS: AMC erweitert das TACOS-Bild um Cross-Channel-Effekte
- Sponsored Brands: dessen Zusammenspiel mit DSP AMC sichtbar macht
Kurz zusammengefasst: AMC ist seit 2025 für jedes Sponsored-Ads-Konto offen und kostenlos. Der Engpass ist nicht mehr der Zugang, sondern die Kompetenz, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten in Budget-Entscheidungen zu übersetzen. Wer Sponsored Ads und DSP parallel fährt, macht damit das Zusammenspiel beider Kanäle sichtbar. Wer nur Sponsored Ads fährt, findet den blinden Fleck im eigenen Trichter. Genau das übernehme ich.